Startquartier Thalgau / Bildungspflicht auch für junge Flüchtlinge nötig

Das Land Salzburg hat jetzt ein Startquartier. Dort sollen alle Flüchtlinge in mehreren Monaten die Grundzüge unserer Gesellschaft lernen. Auch die Polizei ist bei den Schulungen dabei.

THALGAU. Die erste Frage eines Flüchtlings spricht gleich eines der wesentlichen Probleme an. Wie könne er sich mit der Polizei verständigen, wo er die Sprache noch nicht gut spreche. Robert Meikl vom Kriminalpolizeilichen Beratungsdienst räumt ein: Das sei nicht einfach. „Meine Kollegen sprechen meist Englisch, dennoch sollten Sie so schnell wie möglich Deutsch lernen.“

In einem Flüchtlingsquartier in einer umgebauten Lagerhalle in Thalgau findet diese Schulung der Polizei statt. Seit dem Jahr 2015 werden hier Flüchtlinge untergebracht. Ab sofort dient die Unterkunft als sogenanntes Startquartier. Alle männlichen allein reisenden Flüchtlinge sollem künftig hier untergebracht werden, nachdem sie dem Land Salzburg zugewiesen wurden. Rund sechs Monate sollen sie hier geschult werden, jedenfalls aber so lange, bis sie das Deutschzertifikat A1 erhalten haben. Erst dann dürfen sie sich um kleinere Quartiere bewerben.

Ein Teil der Maßnahmen ist eine Werte- und Normenschulung der Polizei. Für den erfahrenen kriminalpolizeilichen Berater Robert Meikl ist es am Donnerstag nicht einfach, seine Informationen unters Volk zu bringen. Mehr als 100 Zuhörer haben die Polizisten. Zwei Dolmetscher übersetzen Fragen und Antworten, einmal wird auf Deutsch oder Englisch gesprochen, andere fragen in ihrer Muttersprache.

Die Polizei schult Flüchtlinge nur noch in großen Gruppen. Man sei in den vergangenen Monaten mit Anfragen regelrecht bombardiert worden, sagt Meikl. „Wenn wir das nicht zusammenfassen, machen wir nichts anderes mehr, als Flüchtlinge zu schulen“, sagt der Berater.

Auch die Polizei tritt in entsprechender Größe auf. Neben Robert Meikl und einem Kollegen sind auch noch Polizisten und Polizistinnen in Uniform dabei. „Es ist uns wichtig, immer eine Frau in Uniform zu zeigen. Die Flüchtlinge sollen wissen, dass bei uns Polizistinnen und Polizisten die gleichen Anordnungen treffen dürfen“, sagt Meikl.

Die Informationsveranstaltung der Polizei ist nur eines der Angebote für die 140 Flüchtlinge in der Thalgauer Unterkunft. In den kommenden Wochen erhalten sie Deutschkurse, medizinische Schulungen und Wertekurse. In Gruppen werden psychosoziale Probleme besprochen. Zudem werden die Qualifikationen der Flüchtlinge erhoben. Vor allem die Schulungen mit der Polizei seien sehr wichtig, sagt Landesrätin Martina Berthold. „Viele Flüchtlinge müssen erst einmal lernen, dass die Polizei bei uns nicht korrupt ist, sondern tatsächlich ein Freund und Helfer.“ Bei den Werteschulungen gehe es unter anderem um die Gleichstellung von Mann und Frau.

Bisher seien die Maßnahmen in den Quartieren im ganzen Bundesland sehr unterschiedlich gewesen, sagt Asyllandesrätin Martina Berthold (Grüne). „Gerade in kleinen Quartieren bekamen die Flüchtlinge oft eine weniger umfassende Betreuung.“ Die Startquartiere brächten die Möglichkeit, allen Flüchtlingen von Anfang an die gleichen Schulungen zukommen zu lassen und ihnen sofort die wesentlichen Werte und Normen von Österreichs Gesellschaft beizubringen. Mit einem Luxusangebot habe das nichts zu tun, sagt Martina Berthold. „Wir verlangen von den Flüchtlingen, dass sie sich an unsere Werte halten. Dann müssen wir sie ihnen auch beibringen.“

Eineinhalb Stunden dauert die Informationsveranstaltung der Polizei am Donnerstag. Das Interesse der Zuhörer ist groß. Ein Flüchtling will wissen, ob es in Ordnung sei, wenn er bei einem Streit im Asylquartier den Notruf wähle. Einige Fragen übersteigen den Zuständigkeitsbereich der Polizei. Von solchen Schulungen dürfe man sich ohnehin keine Wunder erwarten, sagt Berater Robert Meikl. „Grundwerte und Normen zu vermitteln ist nicht nur Aufgabe der Polizei. Das muss jeder tun, der mit den Flüchtlingen zu tun hat.“

Bildungspflicht auch für junge Flüchtlinge nötig

PRL

SALZBURG-STADT. Ab Juli 2017 gilt in Österreich eine Ausbildungspflicht für Jugendliche bis 18 Jahren. Asylbewerber sind von der Regelung ausgenommen. Das kritisiert die für Integration zuständige Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ). „Genau bei jugendlichen Flüchtlingen haben wir die Problematik, dass sie herumlungern, einige werden polizeilich auffällig. Die gehören beschäftigt.“

Für 100 bis 120 minderjährige Flüchtlinge hat das Jugendamt der Stadt Salzburg im Schnitt die Vormundschaft, da diese ohne Erziehungsberechtigten in Österreich angekommen sind. Oft falle den Magistratsmitarbeitern die Betreuung der Asylbewerber schwer, sagt Hagenauer. „Wir sehen die Jugendlichen oft nur bei Behördengesprächen oder bei der Polizei. Den meisten Kontakt mit ihnen haben die Betreuer in den Quartieren.“

Die Stadt Salzburg hat nun als Maßnahme Wertekurse gestartet, die seit September alle minderjährigen Flüchtlinge absolvieren sollen. „Das sind Kurse, die ein Hauptaugenmerk darauf legen, was Jugendliche interessiert. Sexualität ist da ein wichtiger Punkt. Es geht aber auch darum, wie unsere Gesellschaft tickt.“

Dennoch seien diese sechs Nachmittage nicht ausreichend, um die Jugendlichen zu beschäftigen. Immerhin gebe es nun bundesweit ein verpflichtendes Integrationsjahr, das auch jugendliche Flüchtlinge absolvieren müssten. „Dann haben sie zumindest in dieser Zeit eine Beschäftigung“, sagt Hagenauer.

SN

SN Hagenauer

Minderjährige Flüchtlinge brauchen unsere Unterstützung, wenn Integration klappen soll

Die Regelungen für das Pflichtschulalter und dem Pflichtschulbesuch, die für österreichische Kinder gelten, sind auf Flüchtlingskinder nicht anwendbar. Zum einen haben sie während der Flucht keine Schule besucht, zum anderen sprechen sie nicht ausreichend Deutsch, um gleich schnell einen Pflichtschulabschluss zu schaffen. Unsere Aktivistin Sirikit Reuchlin bringt das Thema in ihrem Leserbrief vom 14.09.2016 auf den Punkt.

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(14.09.2016, Salzburger Nachrichten)

Weitere Medienberichterstattung:

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(14.09.2016, Kronen Zeitung)

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(14.09.2016, Salzburger Nachrichten)

Integration: Beispielhafte Ausbildung Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Münchner SchlaU Schule

Unabhängig davon, ob Österreich weitere Flüchtlinge aufnehmen kann oder nicht, müssen wir diejenigen, die bereits im Land sind, besser ausbilden und integrieren. Vor allem unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sollte es ermöglicht werden, sich in jungen Jahren schon integrieren und Deutsch erlernen zu können, damit sie nicht chancenlos in der Mindestsicherung landen.

Die Ausbildungssituation der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stand im Mittelpunkt einer Reise, die von den Bürgern für Salzburg organisiert wurde. Am 29.06.2016 wurde die, über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannte SchlaU Schule in München besucht. Michael Stenger und Melanie Weber führten die Gruppe und beantworteten alle Fragen der Teilnehmer. Dieses Flüchtlingsschulprojekt besteht seit 16 Jahren und hat damit einen großen Vorsprung zu allen jetzt in Gründung befindlichen Projekten.

Uns Bürgern für Salzburg geht es bei diesem Projekt nicht um politisches Kleingeld, sondern um einen partei- und ressortübergreifenden Ansatz. Deshalb war die Gruppe vor allem mit Bildungssprechern bzw. Landtagsabgeordneten des Landes Salzburg besetzt, aber auch mit dem Klubobmann der Grünen, Cyriak Schwaighofer und Vertretern der Bezirkshauptmannschaft Hallein, wo derzeit 80 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden.

Alle Teilnehmer waren vom Gründer der SchlaU Schule und dessen Ausführungen beeindruckt. Seiner Meinung nach gibt es keine „unbeschulbaren“ Jugendlichen, und die hohe Erfolgsquote seiner Schule beweist dies auch.

von links nach rechts: Tarik Mete, Barbara Sieberth, Alexandra Michal, Barbara Engländer, Sirikit Reuchlin, Martina Jöbstl, Cyriak Schwaighofer, Christoph Ferch
von links nach rechts:
Tarik Mete, Barbara Sieberth, Alexandra Michal, Barbara Engländer, Sirikit Reuchlin, Martina Jöbstl, Cyriak Schwaighofer, Christoph Ferch
von links nach rechts: Christoph Ferch, Cyriak Schwaighofer, Michael Stenger (der Gründer der SchlaU Schule), Sirikit Reuchlin, Barbara Engländer, Alexandra Michal, Barbara Sieberth
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Christoph Ferch, Cyriak Schwaighofer, Michael Stenger (der Gründer der SchlaU Schule), Sirikit Reuchlin, Barbara Engländer, Alexandra Michal, Barbara Sieberth

TEILNEHMERLISTE:

Cyriak Schwaighofer, GRÜNE                 Klubobmann im Salzburger Landtag

Barbara Sieberth, GRÜNE                       Landtagsabgeordnete

Martina Jöbstl, ÖVP                                Bereichsprecherin – Jugend und Sport

Tarik Mete, SPÖ                                      Bereichssprecher – Integration, Asyl, Jugend

Claudia Kirchberger, BH Hallein             Kinder- und Jugendhilfe

Franziska Perlick, BH Hallein                  Jugendwohlfahrt

Barbara Engländer                                  Gesundheits- & klinische Psychologin

Alexandra Michal, Bürger für Salzburg   Soziales, Bildung, Familie

Christoph Ferch, Bürger für Salzburg      Gemeinderat

Sirikit Reuchlin, Bürger für Salzburg       Flüchtlingsarbeit, Deutschunterricht

LINKS ZUR SCHLAUSCHULE:

http://www.schlau-schule.de/

http://www.schlau-schule.de/lehrkonzept/so-arbeitet-schlau.html